Begegnung mit Militärpfarrer Jürgen Stahlhut

Am 29. Mai 2026 besuchte Militärpfarrer Jürgen Stahlhut die beiden Religionskurse der Q1, um über seine berufliche Laufbahn, seine Erfahrungen in der Militärseelsorge und zentrale Fragen der Friedensethik zu sprechen. Der Kontakt kam durch eine frühere Gemeindeverbindung zustande: Stahlhut war einst Pfarrer in der Gemeinde, in der auch Herr Fischer konfirmiert wurde.

Unterrichtliche Vorbereitung: Frieden, Verantwortung und moralische Fragen

Im Rahmen des Ethikunterrichts beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler zuvor intensiv mit Fragen wie „Was ist ein gerechter Frieden?“ oder „Passen Soldatsein und Christsein zusammen?“. Sie arbeiteten mit der neuen EKD-Denkschrift zum Thema Frieden und diskutierten unterschiedliche Perspektiven auf Gewalt, Verantwortung und Gewissen.

Dabei zeigte sich, dass viele Fragen keine eindeutigen Antworten zulassen. Gerade die aktuelle gesellschaftliche Debatte über Wehrdienst und Sicherheitspolitik macht deutlich, wie komplex die Themen sind. Friedensethik bedeutet daher nicht, fertige Lösungen zu liefern, sondern zu lernen, wie man eigene Gewissensentscheidungen trifft und moralische Dilemmata reflektiert.

Der Besuch: Zweifel zulassen, Gewissen stärken

Auch im Gespräch mit Stahlhut standen Gewissensfragen im Mittelpunkt. Durch seine Worte ermutigte er zu dem Gedanken, dass es normal ist, bei schwierigen ethischen Themen keine sofortige Antwort zu haben. Außerdem ermutigte er die Schülerinnen und Schüler dazu, Unsicherheiten auszuhalten und sich weiter mit den Fragen auseinanderzusetzen, die sie persönlich betreffen. Gewissensentscheidungen sind selten leicht, aber sie können langfristig Orientierung geben.

Einblick in die Arbeit eines Militärpfarrers

Stahlhut berichtete von seinem Weg vom Gemeindepfarrer zum Militärpfarrer und später zum Militärdekan. Fotos aus Einsätzen zeigten Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen auf freiem Feld, die einen Einblick in die Arbeit des Militärpfarrers boten. Aber am Ende gilt nur eines: Ob im Flecktarn auf freiem Feld oder in liturgischer Kleidung in einer Kirche, im Kern steht stets der Glauben.

Er sprach auch über belastende Situationen im Einsatz und darüber, wie wichtig es sei, selbst Unterstützung zu haben. Seine Schilderungen machten deutlich, dass Militärseelsorge vor allem eines ist: ein Dienst an Menschen, die sich in besonderen Lebenslagen befinden.

Ein Appell an junge Menschen: Verantwortung übernehmen

Auf die Frage, was er sich wünsche, was die Schülerinnen und Schüler aus dem Besuch mitnehmen, formulierte Stahlhut einen klaren Gedanken. Sein Anliegen zielte nicht auf eine bestimmte Entscheidung, sondern auf die Haltung dahinter. Er sagte:

„Seinen Dienst in der Bundeswehr zu tun oder sich anderweitig für und in der Gesellschaft zu engagieren, beides ist eine Gewissensentscheidung und beides ist gleich wichtig und notwendig für unsere Demokratie und den Zusammenhalt; nichts zu tun und andere machen lassen und nur ‚Nutznießer‘ zu sein, ohne selbst etwas dafür zu tun, dagegen nicht! Also: engagiert euch, bringt euch ein!“

Damit stellte er nicht den Militärdienst in den Vordergrund, sondern die Bedeutung von Engagement in einer demokratischen Gesellschaft – in welcher Form auch immer.

Schlussgedanke: Ein Gespräch, das nachwirkt

Der Besuch von Militärpfarrer Stahlhut war kein Werben für eine bestimmte Entscheidung, sondern eine Einladung zur Selbstreflexion. Die Schülerinnen und Schüler nahmen mit, dass Frieden, Verantwortung und Engagement nicht abstrakt bleiben dürfen. Stahlhuts Worte machten deutlich: Eine demokratische Gesellschaft lebt davon, dass Menschen sich einbringen – kritisch, reflektiert und mit Haltung. Gerade deshalb bleibt dieser Besuch im Gedächtnis. Er hat Fragen gestellt, die weiterwirken, und Mut gemacht, eigene Antworten zu suchen, ohne dass das Gefühl entsteht, man müsse eine bestimmte Antwort finden.

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