Die lange Nacht der Demokratie in SH

Deutschland ist eine Demokratie. Doch wann kommt man schon mal dazu, sie gebührend zu feiern? Der schleswig-holsteinische Landesbeauftragte für politische Bildung, Christian Meyer-Heidemann, sein Team und der Landesverband der Volkshochschule luden zur Langen Nacht der Demokratie ein. Zusammen wurde in ganz Schleswig-Holstein in den Tag der Deutschen Einheit gefeiert. In über 50 Veranstaltungen wurde im ganzen Bundesland die Demokratie gefeiert und gewürdigt. Auch das Landeshaus in Kiel selbst lud ein und bot einen spannenden Abend.

Starten konnte man um 17 Uhr mit dem KI-Terminal der Förde-VHS. Hier konnte fleißig experimentiert werden. Zur Verfügung gestellt waren Laptops mit der Krea.ai, einer Künstlichen Intelligenz, die Bilder generiert. Ziel war es, in Selbstexperimenten herauszufinden, inwiefern KI eigentlich stigmatisiert und mit Stereotypen umgeht. Als Hilfestellung hatte die Förde-VHS selbst ein paar Bilder und die entsprechenden Prompts zur Schau gestellt. So wurde zum Beispiel „A rich family“, also „Eine reiche Familie“, eingegeben und als Ergebnis sah man eine glücklich aussehende Familie mit Mutter, Vater, zwei jungen Söhnen und einem eurozentrischen Aussehen. Doch als „A poor family“, also „Eine arme Familie“, eingegeben wurde, generierte die KI ein Bild von einer verzweifelten, hauptsächlich weiblichen Mehrgenerationenfamilie, die nicht dem eurozentrischen Ideal entspricht. Als Betrachter stellte sich nun die Frage, wieso die KI das macht.

Mit dem nun gewonnenen Interesse begannen die Besucher mit ihren eigenen Prompts. So gab ein Ehepaar „Frau“ ein, zu sehen waren nur Frauen mit langen Haaren. Begleitet wurden die beiden von einer Mitarbeiterin der Förde-VHS, welche darauf hinwies, dass sie selbst mit ihrer eigenen Kurzhaarfrisur sich dadurch nicht vollständig repräsentiert fühlt. Des Weiteren wurde der Prompt „disabled person“, also „behinderte Person“, eingegeben. Das Ergebnis waren ausschließlich Menschen im Rollstuhl. Einerseits eine Assoziation, die durchaus auf Menschen mit Behinderungen zutrifft, aber keineswegs auf alle. Man merkt also anhand der Beispiele: Die KI zeigt die Realität oftmals viel weniger vielschichtig, als sie ist.

Anschließend an den KI-Terminal begann der erste Vortrag. In seinem Impulsvortrag sprach Sean Holt, tätig an der CAU, von Künstlicher Intelligenz und Demokratie. Begonnen hat er mit einem kurzen „Crash-Kurs“, wie KI funktioniert und wie sich verschiedene Funktionen voneinander unterscheiden. Er zeigte auf, inwiefern die KI nützlich, aber auch schädlich für die Demokratie sein kann. In der anschließenden Fragerunde kamen spannende Fragen auf, deren Antworten voller Erwartung begehrt wurden. So wurde sich zum Beispiel über Kreativität, Urheberrechtsschutz und Schule im Kontext von KI ausgetauscht. Die diversen Themen boten den Besucher*innen viele Chancen zu neuen Denkanstößen und sorgten für ganz neue Perspektiven und einen facettenreichen Einblick.

Die Spannungskurve stieg weiter, als Prof. Dr. Mojib Latif für den Hauptvortrag an das Rednerpult trat. Der Meteorologe, Ozeanograph, renommierte Klimaforscher und Seniorprofessor an der CAU sprach über Klimawandel und wie Fake News die politische Debatte beeinflussen. Er berichtete vom Club of Rome, der Stockholmer Konferenz und der Einigkeit in der Wissenschaft über den Klimawandel. Er zeigte, wie der menschliche Einfluss unter anderem durch Modelle durch genug Hinweise nachweisbar ist. Gleichermaßen zeigte er auch auf, wo die Wissenschaft rein technisch manchmal an ihre Grenzen stößt. Er räumte hartnäckige Gerüchte auf und appellierte an eine wissenschaftliche und rationale Betrachtung, wenn man über den Klimawandel spricht.

Von seinen eigenen Erfahrungen hat er ebenfalls gesprochen. So erzählte er, wie er als Wissenschaftler in den Medien nach Buchveröffentlichungen und Berichterstattungen Sachverhalte und Fake News „geraderücken“ sollte. Er ging nicht nur auf Fake News und den Umgang mit dem Klimawandel in der Vergangenheit ein, sondern lieferte auch aktuelle Beispiele. Mit dabei war, wie Parteien wie die AfD mit der vermeintlichen „Klimaluege“ Wählerstimmen fangen und wieso das extrem gefährlich ist. Die anschließende Frage- und Debattenrunde lief eine weitere Stunde. Es wurde fleißig diskutiert und jeder hatte die Chance, sich einzubringen.

Insgesamt war es ein Abend, der den Besucherinnen, Vortragenden und Veranstalterinnen die ideale Möglichkeit bot, die Demokratie zu feiern. Doch auch die Wichtigkeit der Erhaltung der Demokratie wurde mehrfach anschaulich hervorgehoben. Denn wenn man eines von diesem Abend mitnehmen sollte, dann, dass Demokratie keine naturgegebene Selbstverständlichkeit ist.

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