Was hat sie damals dazu gebracht, Lehrerin zu werden – und würden Sie es heute wieder tun?
„Ich würde‘ heute wieder tun. Das ist der beste Beruf, den ich mir je vorstellen konnte. Von Anfang an gab es Gründe wie: mit Kreide arbeiten, ich hab oft gern Mitschülern geholfen und vieles mehr. So habe ich dann für mich entdeckt, dass der Beruf eines Lehrers das beste für mich wäre.“
Wie hat sich Schule aus ihrer Sicht seit ihrer Anfangszeit entwickelt / verändert?
„Komplett verändert. In meinen 40 Jahren „kochen wir immer noch mit Wasser“ definitiv, aber Medien haben sich verändert. Des weiteren sind Motivation und Anspruch stark abhängig von der gesellschaftlichen Entwicklung. Der Einfluss der digitalen Medien ist spürbar, aber es sollte noch Platz zum Lesen geben. Der Umgang mit Büchern ist etwas wertvolles, was es zu erhalten gilt.“
Sie haben noch in der DDR unterrichtet – wie hat das den Unterricht beeinflusst?
„Ich war 1984 mit dem Studium fertig und bin dann auf die Insel Usedom zurückgekehrt, wo es nur temporär den Einfluss westlicher Medien gab. Also waren Zeitungen, Radio, Fernsehen nur verfügbar, die politisch von Seiten der Regierung geprägt wurden. Dennoch war mir immer wichtig, dass Schüler ihre eigene Meinung entwickelten und vertraten. Dies hat dazu geführt, dass ich durch die Staatssicherheit mithilfe dreier Jugendlicher eines 10. Jahrgangs bespitzelt wurde, davon erfuhr ich erst 2007.“
Was war ihre größte Herausforderung als Lehrerin – damals oder heute?
„Perfekt organisierte Klassen- und Studienfahrten. Die sind immer schwierig, sowie das Vorbereiten von Schülern und Schülerinnen auf das schriftliche und mündliche Abitur.“
Was war ein besonders lustiger oder besonderer Moment, der ihnen im Unterricht passiert ist?
„Es gibt viele. Ein lustiger Moment war als ein Schüler der Oberstufe sich fürs zu spät kommen entschuldigte, weil ein großer schwarzer Hund vor der Tür war.“
Welche Art von Schüler*innen konnten Sie besonders gut (oder gar nicht) leiden?
„Es gibt keine „Arten“ von Schüler*innen. Alle verdienen Respekt. Man kritisiert manche vielleicht öfter, aber alle müssen lernen, verantwortlich für ihre Taten zu sein. Ehrlichkeit ist mir auch wichtig. Meine Schüler wissen, wie sehr ich Ehrlichkeit schätze.“
Hat Lehrerin sein ihr Privatleben beeinflusst?
„Unbedingt. Nicht nur das Korrigieren, auch natürlich emotionale Momente bespricht man, ich hab diese auch meist mit nach Hause genommen. Und dies hält auch bis zum letzten Tag an. Des Öfteren hat mein Mann als Physiker Vorträge gehalten, also lässt sich beides nicht trennen.“
Was wünschen Sie sich, dass ihre letzten Schüler*innen von ihnen mitnehmen?
„Spaß und Freude am Lernen. Sich wohlfühlen an der Schule, gegenseitiger Respekt, Toleranz und Wertschätzung. ,,Alles ist machbar oder erreichbar.“ könnte man sagen, wenn man will.“
Zum Abschluss: Wenn Sie jüngeren Lehrer*innen einen Rat geben könnten – was würden sie sagen?
„Jüngeren Kollegen würde ich raten, eine gewisse „angemessene“ Distanz aufzubauen, um nicht Gefahr zu laufen, als gleichgesinnte Person bei Schüler*innen dazustehen.“